Pressemitteilung

Plattenbau - ganz wie in alten Zeiten
Stadtrat beschließt finanziellen Zuschuss zum Bau eines
Sozial- und Funktionsgebäudes für Sport und Freizeit

Was da auf dem Feld gegenüber unserer Sport-- und Schwimmhalle gestapelt liegt, ist gut und gerne 120 000 Euro wert. Es sind demontierte Platten des vor einem Jahr abgerissenen Wohnblocks 20 - ein WBS-70-Bau aus DDR-Zeiten, einst an ungünstiger Stelle in der Robert-Schumann-Straße »für die Ewigkeit« errichtet.
Nun ist er verschwunden, die Platten aber hat man mehr oder weniger behutsam Stück für Stück mit dem Kran abgetragen, denn es gibt seit geraumer Zeit die Idee, diese wieder zu verwenden. Die beiden größten Vereine unserer Stadt, der Fußballverein Gröditz 1911 und der TSV Blau-Weiß Gröditz, haben sich das ehrgeizige Ziel gestellt, hauptsächlich aus diesen Platten ein Sozial- und Funktionsgebäude für Sport und Freizeit zur Sicherung und Weiterentwicklung des sportlichen Leistungszentrums der Region zu errichten. Die Platten dafür hat man also schon, ein Erbbaurecht an den Grundstücken ebenfalls sowie engagierte Leute an der Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus, die das Vorhaben im Rahmen von Forschungsprojekten begleiten.
Vor allem zweckmäßig soll das Gebäude sein, alles andere als ein Luxusbau. Und trotzdem sind die Kosten immens. Sie belaufen sich, inklusive Baunebenkosten, auf rund 1,7 Millionen Euro. Der Komplex wird als Gemeindebedarfseinrichtung deklariert, das heißt, dass auch die Stadt dafür Verantwortung trägt - eine Voraussetzung, dass von Bund und Land 885 000 Euro Fördermittel fließen. 354 000 Euro wollen die Vereine durch Eigenleistungen beisteuern. Für die Stadt bleibt ein aufzubringender Eigenanteil von rund einer halben Million Euro. Und das sorgt für Zündstoff.
Man hat sich bereits in den Ausschüssen die Köpfe darüber heiß diskutiert, ob das in der gegenwärtigen Haushaltssituation der Stadt verantwortet werden kann. Unbestritten positiv ist das Anliegen, möglichst vielen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit einer gesunden, sinnvollen Freizeitgestaltung zu eröffnen. Und klar ist auch, dass andere Kommunen nur darauf warten, dass Gröditz die Chance ausschlägt, um dann selbst zuzugreifen.
Eigentlich können wir uns ein solches bundesweites Pilotprojekt nicht aus der Hand nehmen lassen. Wir würden es sicher später bereuen. Andererseits darf man aber auch nicht die Augen davor verschließen, dass in der Stadt viele andere, noch dringendere Investitionen längst überfällig sind. Auf deren Kosten soll der Bau keinesfalls entstehen.
Für und Wider also. Der Stadtrat hat sich in seiner Sitzung am 26. September zum Für durchgerungen, also zunächst dafür, den städtischen Zuschuss aufzubringen, um erst einmal den Antrag auf Fördermittel stellen zu können - eine Entscheidung nicht ohne Risiko, aber eben auch eine große Chance für Gröditz. Die Verwaltung will Sponsoren finden, denn für die Jugend etwas zu tun, ist ein Anliegen aller.
Auf jeden Fall wird sich das Vorhaben nur über Jahre umsetzen lassen. Ein neuer Dauerbrenner für den Stadtrat. Tr.

(Aus Gröditzer Stadtzeitung Nr. 10/2005)