Pressemitteilung

Schade oder endlich? -
Gröditzer Legende verschwindet


Dies ist vielleicht das letzte Foto von unserem fast ein halbes Jahrhundert alten Kinogebäude am Marktplatz. Seine Tage sind gezählt, nachdem der Technische Ausschuss am 8. Juni den Abriss beschlossen und die Arbeiten an die Firma TS-Bau, Niederlassung Riesa, vergeben hat. Am Montag erfuhr die Gröditzer Stadtzeitung, dass der Abriss Mitte Juli beginnen soll und mit allen Nebenarbeiten etwa drei Wochen dauert.
Wohl kaum eine andere Immobilie in Gröditz hat in den letzten Jahrzehnten für so viel Freude und Ärger gleichermaßen gesorgt.
Als der VEB Lichtspielbetriebe das Haus am 12. Oktober 1957 eröffnete, hatte Gröditz eine weitere kulturelle Begegnungsstätte, um die uns so manche Kommune beneidete. Man vergab sogar Uraufführungen hierher.
Nach der Wende gingen die Zuschauerzahlen dramatisch zurück. Im Januar 1990 lief hier der letzte Film. Seither dümpelt das Gebäude vor sich hin. Es ging zunächst in den Besitz der Treuhandgesellschaft über und diese verkaufte es an eine Firma in den alten Bundesländern. Die tat gar nichts am Haus, das immer mehr zum Schandfleck verkam.
Am 18. Dezember 2003 erwarb die Stadt die Immobilie und hatte nun endlich selbst Handlungsfreiheit, das Gebäude zu sanieren oder abzureißen, denn in diesem Zustand wollte das 2 546 m2 große Grundstück keiner haben. Aus Kostengründen entschieden sich die Räte für Letzteres.
Da die Gröditzer mit dem »Castello« mittlerweile ein wunderschönes Kino haben, sollten wir dem Abriss nicht nachtrauern. Die schönen Erinnerungen an dieses Lichtspieltheater bleiben trotzdem und werden den jahrelangen Ärger um eine der letzten Gröditzer Ruinen bald vergessen lassen.  Tr.

(Aus: Gröditzer Stadtzeitung Nr. 07/2005)

 


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