Vereinsverbund Gröditz 2016-2017

Zur Sicherung des Vereinslebens in der Stadt Gröditz wurden die verschiedenen Vereine aufgerufen, sich an einer gemeinsamen Zukunftsstruktur inhaltlich zu beteiligen. Unter dem Arbeitstitel 'Vereinsverbund' wurden verschiedene Abstimmungstermine und öffentliche Veranstaltungen durchgeführt, in denen die Vereine gemeinsam mit der Stadt Lösungswege und zukünftige Organisationsformen diskutieren konnten. Der moderierte Prozess, begonnen im Mai 2016, zog sich über das Jahr 2017 hin und gipfelte in einer gemeinsam organisierten Vereinsmeile auf dem Fest zum 800 jährigen Jubiläum der Stadt Gröditz.

Im Rahmen der Projektlaufzeit hat es sich gezeigt, dass das Thema 'Vereinsverbund' zunächst ein drängendes und dringendes Thema für die Sportvereine darstellt, die zum einen mit ihrer Nachwuchs- und Jugendarbeit und zum anderen mit der Anlagenunterhaltung und dem Aufrechterhalten eines Wettbewerb-/ Turnierbetriebs große Aufwendungen stemmen. Aber auch bei weiteren Vereinen besteht Bedarf an Unterstützung und Kooperationen, wie z.B. beim Geflügelzüchterverein. Hier sind die anstehenden Aufgaben, wie z.B. die Nachwuchsarbeit auf Landesebene, insbesondere durch die Überalterung bei den Mietgliedern, kaum noch zu bewältigen. Über den konkreten Bedarf an Entlastung in der Verwaltung, Vermarktung und Finanzierung der Vereine gibt es zu speziellen Fragestellungen Beratungsbedarfe in den meisten Vereinen: z.B. in Bezug auf das Steuerrecht, Buchhaltung, Finanzverwaltung und Versicherungswesen.

Die grundlegende Erarbeitung der Anforderungen an einen Vereinsverbund erfolgte gemeinsam mit den Mitgliedern des Beirates durch die öffentlichen Präsentationen und das Werkstattgespräch. Dabei wurden zusätzlich zahlreiche Vereine in den Prozess eingebunden. Über die Multiplikatoren aus Beirat und Vereinsvorständen hatten auch die Vereins-Mitglieder die Möglichkeit ihre Gedanken in das Projekt „Vereinsverbund" einzubringen. Die regen Diskussionen im gesamten Prozess belegen den umfangreichen Abstimmungsbedarf im gesamten Prozess sowie die Komplexität der Aufgaben im angestrebten Vereinsverbund.

Gemeinsam wurde im Ergebnis eine Struktur für eine gemeinnützige Stiftung als Dach des Vereinsverbundes erarbeitet. Die Stiftung arbeitet dabei selbständig zu Mitteleinwerbung, Repräsentanz der Vereine und des Ehrenamtes und vernetzt sich breit in der Region. In den Stiftungsrat sind Akteure einzuwerben, die sich in der Region gesellschaftlich engagieren, als Multiplikatoren im Gemeinwohl dienen können und Erfahrungen in der wirtschaftlichen Betreibung einer gemeinnützigen Gesellschaft (bzw. der Kontrolle und Steuerung einer solchen) besitzen. Die Stiftung besitzt ein Arbeitsorgan mit wirtschaftlicher Betriebsführung und eine Geschäftsführung in der

Rechtsform der gGmbH. Dieser gGmbH werden drei Aufgabenbereiche zugeordnet

1. Dienstleistung für Vereine,

2. Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement,

3. Objekt- und Anlagenbewirtschaftung.

Der Bedarf und die Chancen eines Vereinsverbundes wurden von allen Prozessbeteiligten bestätigt. Die verschiedenen Diskussionspunkte sind in einer Umsetzungsphase des Vereinsverbundes weiter zu präzisieren und konkrete Lösungen zu erarbeiten.

Unter Beachtung einer Kontinuität in der gemeinnützigen Arbeit und der Nutzung der traditionellen Spendenbereitschaft sowie der Einbeziehung von Handlungs- und Kontrollmechanismen wird für den Vereinsverbund in Gröditz eine Kombination aus beiden Rechtsformen zur Prüfung empfohlen:

Eine Stiftung als Dachstruktur mit einer Arbeitsebene in der Rechtsform der gGmbH, die sich ihrerseits verschiedener Säulen für die einzelnen Aufgabenfelder bedient, z.B. in Form von einzelnen Zweckbetrieben.

Zur weiteren Entwicklung in Gröditz ist die Fortsetzung der konkreten Zusammenarbeit der Vereine z.B. bzgl. einer Festmeile - evtl. in zweijährlichem Turnus - anzudenken. Das Ziel besteht u.a. darin, die Vereine weiter zu stärken und über die Stadtgrenzen hinaus bekannt zu machen. Die Vereinsmeile im Jahr 2017 hatte immerhin tausende Besucher und erzeugte eine sehr gute Bürgerresonanz.

Alle Beteiligten waren positiv über die große Wirkung der gemeinsamen Initiative überrascht. Mit dem Aufbau des Vereinsverbundes betritt die Stadt Gröditz Neuland in der Vereinslandschaft der LEADER-Region Elbe-Röder-Dreieck. Diese ist an der weiteren Begleitung des Vorhabens interessiert und bietet die Möglichkeit der Finanzierung einer befristeten Stelle für die Anschubphase der Projektumsetzung.

Zusätzlich ist es in der Anschubphase erforderlich, die erarbeiteten Modelle juristisch und steuerfachlich prüfen zu lassen und die entsprechenden Struktur-Gründungen von einem Fachanwalt begleiten zu lassen. Die Stadt Gröditz beförderte mit ihrem Hauptamt die Zusammenarbeit der Vereine der Vereine in den Jahren 2016 und 2017 erfolgreich. Aufbauend auf den Erfahrungen im Festjahr soll die Zusammenarbeit künftig über den Vereinsverbund fortgesetzt werden.