1941 bis 1960

Erste Bewährungsproben im Hochwassereinsatz:

Röderhochwasser Pfingsten 1941, die Pilstergasse
Röderhochwasser Pfingsten 1941, die Pilstergasse

1941  
In diesem Jahr kamen 16 neue Mitglieder hinzu. Damit erhöhte sich die Stärke der Wehr auf 44 Mitglieder. Die Chronik vermerkt vor allem Hilfeleistungen während des Röderhochwassers. Röder und Kanal waren überschwemmt. Die Pilstergasse, die Großenhainer Straße, die Bahnhofstraße, und der Flur Pulsen standen unter Wasser. In Pulsen ertrank eine Person. Zur Suche war sogar ein Flugzeug eingesetzt worden. 1941 war auch das Gründungsjahr weiterer Freiwilligen Feuerwehren in den Nachbargemeinden Nauwalde (Wehrführer war Fedor Nitzsche) und Pulsen (Leiter Karl Hänsel). In Folge des Krieges sank die Zahl der Kameraden bis 1945 ständig. So standen der Gröditzer Wehr im letzten Kriegsjahr nur noch 18 Kameraden zur Verfügung. Allein von den Gründungsmitgliedern der Wehr schieden bis 1945 11 Kameraden aus.


Mitglieder der Gröditzer Freiwilligen Feuerwehr im Jahr 1942 vor dem Fahrzeug LLG 8 TSA.
Mitglieder der Gröditzer Freiwilligen Feuerwehr im Jahr 1942 vor dem Fahrzeug LLG 8 TSA.

1944  
Eine besondere Maßnahme war die Bildung einer Luftschutzhelfer-Gruppe. Sie bestand aus Frauen und wurde von Luftschutzwarten ausgebildet. Die Frauen hatten bei Fliegeralarm Bereitschaftsdienst in den Luftschutzräumen.

Neuformierung der Wehr nach den Kriegswirren:

1945  
In der zweiten Aprilhälfte flüchteten mehrere Gröditzer bis zu den Lorenzwiesen. Darunter war auch ein Kamerad der Feuerwehr, der das Löschfahrzeug mitnahm. Es ist bei der Flucht nach einem Defekt abhanden gekommen und wurde nie wieder gefunden. Am 15.Mai brannten in Gröditz an einem sehr heißen Tag das Verwaltungsgebäude und die angrenzenden Baracken mit allen Einrichtungen nieder. Dokumente über die Brandbekämpfung und den Einsatz der Wehr liegen nicht vor.

1946  
Im Januar begann die Neuformierung der Wehr unter Leitung von Paul Pfund. An Technik standen zur Verfügung: 1 TSA Magirus mit einer TS 8, 1 Hydrantenwagen mit Holzspeichenrädern, zwei C-Haspeln, B-Rollenschläuchen, Standrohr und Schlüssel sowie je eine Hakenleiter, zweiteilige Schiebeleiter, vierteilige Steckleiter, Krankentrage, einen Heeresatmer, sowie Reißhaken, Schaufeln und diverse Werkzeuge. An Bekleidung waren Reste der Ausrüstung von vor 1945 vorhanden: Schutzanzüge aus Drillich, alte Uniformstücke (meist nur Jacken) Skimützen, alte Koppel, Stiefelhosen, Stiefel und Schnürschuhe. Zur persönlichen Ausrüstung gehörten Luftschutzhelme, Stahlhelme, Hakengurte, Gasmasken mit Filter und Fangleinen. Ausgerückt wurde mit dem LKW eines Kameraden. War das Fahrzeug nicht einsatzfähig, wurde im Mannschaftszug ausgerückt. Wer zu spät kam, folgte mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Der Hydrantenwagen rückte nur im Mannschaftszug aus, zwei Kameraden zogen die Deichsel, zwei schoben das Gefährt. Die Technik war im alten Gerätehaus, Am Bauhof 6, untergebracht. Alarmiert wurde mit Sirene oder Fanfare. Zweimal im Monat fand die Ausbildung statt.

1947  
Die Wehrstärke betrug 17 Kameraden und sie mussten zu insgesamt sechs Bränden ausrücken.

1948  
Die Wehrstärke stieg wieder auf 25 Kameraden. Am 02. November Dachstuhlbrand in Pulsen, Ernst-Thälmann-Straße. Im Einsatz waren die Freiwillige Feuerwehr von Pulsen und Gröditz. Wasser wurde aus dem Graben am Ortseingang gefördert. Der Brand erfasste den gesamten Dachstuhl. Schlimmeres konnte durch vorbildlichen Einsatz der Wehren verhindert werden.

Mit Fahrrad, Axt und Spaten zur Bekämpfung eines Waldbrandes

1949
Die Werksfeuerwehr bekam im Januar eine mechanische Anhängeleiter AL 18 mit 18 m Steighöhe. Am 04. April Waldbrand in der Hoische bei Tiefenau. Ausgerückt wurde mit dem LKW eines Kameraden. Sechs Kameraden rückten per Fahrrad mit Axt und Spaten nach. Am 07. August Einsatzübung zur Brandschutzwoche in Gröditz, Dorfstraße/Großenhainer Straße. Schwerpunkt war die Menschenrettung. Im Einsatz waren auch das DRK Gröditz und die FFw Großenhain. Im Gut Lucke war ein Sanitätsstützpunkt eingerichtet. Zur Menschenrettung wurde auch ein Heeresatmer verwendet.

Hydrantenwagen
Fahrbare Krankentrage

Übung 1949: Der Hydrantenwagen im Handzug. Geprobt wurde auch das Zusammenspiel mit den Helfern des Deutschen Roten Kreuzes. Sie rückten mit dieser fahrbaren Krankentrage an.

1950  
Die Wehr wurde mit einem Löschfahrzeug Benz Gaggenau, Baujahr 1923, ausgerüstet. Es war ein umgebauter offener LKW. Das Fahrzeug war mit einer eingeschobenen TS 3, zwei C-Haspeln, mit Fächern für Rollschläuche und Geräte ausgerüstet und bot einer Gruppe in der Stärke von 1:8 Platz. Auch eine vierteilige aufgeprotzte Steckleiter wurde mitgeführt. Kameradschaftsabend am 17. Februar im Gasthof Richter. Dafür wurden 105,00 Mark und Marken für 3100 Gramm Fleischprodukte gesammelt. Anfang der 50er Jahre gab es in der Gröditzer Wehr manche Turbulenzen, die auch personelle Auswirkungen hatten. Paul Pfund übernimmt am 14. Juli die Wirkungsbereichsleitung von Paul Heidler. Gerhard Klotzsch wird Wehrleiter in Gröditz. Siegfried Eichler übernimmt am 14. Oktober die Wehrleitung.

1952  
Junge Leute treten im September der Wehr bei, wollen manches anders machen. Viele ältere Kameraden treten aus. Es wird eine FDJ-Gruppe gebildet und Wehrleiter wird Alfred Mehnert, doch bald darauf wieder Siegfried Eichler. Am 01. November erneuter Wehrleiterwechsel - Chef wird Hans Horn.

1953  
Brand des Daches der Fittingsbearbeitung am 01. Mai. Viele Kameraden vergnügten sich auf der Maifeier. Trotzdem wurde der Brand gemeinsam mit der Werksfeuerwehr erfolgreich bekämpft.

1954  
Ein elektrischer Heizofen entzündete am 03. Februar eine Holzbaracke mit Installationsmaterial im Wert von 20.000,00 Mark. In der Baracke waren 18 Feuerlöscher untergebracht, die aber nicht zugänglich und so nicht nutzbar waren. Das Löschfahrzeug war zur Reparatur in Riesa. So musste die Wehr mit einem Krankentransportwagen zur Brandstelle in der Großenhainer Straße anrücken. Die Schläuche transportierten vier Kameraden mit Fahrrädern.

1956  
Sehr starker Eisgang auf der Geißlitz. Am Geißlitzwehr wurden Eisschollen mit einer Eisbombe zertrümmert. Sie wog 30 kg, war an einer Leine befestigt, die je drei bis vier Kameraden an beiden Ufern straff hielten und auf Kommando auf die Schollen fallen ließen. Mit Staken und Reißhaken hielt man die Schollen von den Pfeilern fern. Am 22. April gab es einen Arbeitseinsatz beim Bau des Kinos am heutigen Marktplatz. Für eine Weihnachtsfeier spendeten drei Kameraden am 22. Dezember 1,5 Liter Sahne, 750 g Speck und 10 kg Rindfleisch.

1958  
Am 08. Januar erhält die Wehr eine Kampfbahn. Das Zellstoffwerk baut das Hindernishaus, das Stahlwerk die Eskaladierwände, das Möbelwerk die Kriechhindernisse und die Gemeinde spendierte die Laufbalken. Aufstellungsort war der Jahrmarktplatz an der Bahnlinie. Gewaltiges Hochwasser am 14. Juli, die Pilstergasse war 47 cm überschwemmt und die Wehr war sechs Tage im Einsatz.

1960  
Bildung einer Brandschutzkontrollgruppe, Leiter Helmut Widule.